Freundschaften in der Kinderwunschzeit: Wie du mit Neid, Babynews und Entfremdung umgehen kannst
Wenn die Temperaturen steigen und die Mäntel in den Schränken bleiben, werden sie wieder sichtbarer: Die Babybäuche in allen Größen und Formen. Und plötzlich scheinen sie wieder überall zu sein: Im Supermarkt, im Park und sogar beim Grillfest der Nachbarin. Der Sommer macht sichtbarer, was du dir sonst leichter vom Leib halten konntest.
Und jetzt ist die beste Freundin auch noch schwanger. Freundschaften während der Kinderwunschzeit stehen häufig auf dem Prüfstand. Vielleicht gelingt es dir sogar, dich für sie zu freuen. Zumindest ein bisschen (sofern es nicht beim ersten Versuch bei ihr funktioniert hat...). Und gleichzeitig tut es verdammt weh.
In diesem Artikel schauen wir uns an, warum das so ist, wie du mit Neid umgehen kannst und was dir helfen kann, wenn Babynews, unpassende Fragen oder Babypartys gerade zu viel sind.
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Inhaltsverzeichnis
- Warum Freundschaften im Kinderwunsch unter Druck geraten
- Neid im Kinderwunsch: Ein Hinweisschild, kein Grund zur Scham
- Wenn Babybäuche und Babynews im Umfeld schmerzen
- Neugierige Fragen und gut gemeinte Ratschläge
- Grenzen setzen ist erlaubt
- Wenn sich Freundschaften verändern
- Und die Paarbeziehung in dieser Zeit?
- Fazit
Warum Freundschaften im Kinderwunsch unter Druck geraten
Für viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch verändert sich der Blick auf Freundschaften spürbar, sobald die Kinderwunschreise über einen längeren Zeitraum andauert. Vor allem die Verbindung zu Freundinnen, die bereits schwanger sind oder (kleine) Kinder haben, wird zu einem Balanceakt.
Möglicherweise willst du dich sogar mit ihnen über ihre Schwangerschaft oder die Geburt des Kindes freuen. Und gleichzeitig meldet sich etwas in dir, das an der eigenen Situation zerrt.
Typische Gefühle in dieser Phase sind:
- Traurigkeit und Sehnsucht
- Neid
- Wut
- Schuldgefühle, weil man sich „doch einfach freuen sollte"
- Einsamkeit
Diese Ambivalenz ist psychologisch vollkommen normal. Ich sage meinen Klientinnen immer: „Zwei oder mehrere Gefühle dürfen gleichzeitig da sein. Freude für die Freundin und Schmerz für dich selbst schließen sich nicht aus."
Neid im Kinderwunsch: Ein Hinweisschild, kein Grund zur Scham
Neid ist eines der Gefühle, das gesellschaftlich wenig toleriert wird. Vielleicht kennst du den Satz: „Sei nicht neidig!“ bereits aus deiner Kindheit. Der „nagende Neid“ wird meist als unangenehmes Gefühl wahrgenommen, als etwas, für das man sich rechtfertigen muss. Im Kinderwunsch wird das oft noch verstärkt: Wer neidisch auf eine schwangere Freundin ist, hält sich schnell selbst für einen schlechten Menschen.
Dabei ist Neid zutiefst menschlich und im Grunde ganz einfach als Hinweisschild zu verstehen. Er zeigt dir, ganz zuverlässig, was du dir selbst sehnlichst wünschst. Nämlich schwanger zu sein, ein Kind zu bekommen, in diese neue Lebensphase einzutreten. Und endlich zu dem Mama-Kreis dazuzugehören, der sich jeden Montag Vormittag im Park trifft.
Deine Psyche versucht also dir etwas Wichtiges mitzuteilen: Hier liegt ein unerfülltes Bedürfnis, das gesehen werden will. Dafür musst du dich nicht schlecht fühlen.
Wenn Babybäuche und Babynews im Umfeld schmerzen
Warum der Sommer diese Phase oft schwerer macht
Im Winter lässt sich vieles unter Mänteln verbergen. Im Sommer nicht mehr. Babybäuche werden sichtbarer, und dein Gehirn beginnt fast automatisch, danach zu suchen. Das fühlt sich an, als würdest du plötzlich an jeder Ecke damit konfrontiert werden.
Das ist kein Zufall und keine Einbildung. Denn unser Gehirn richtet seine Aufmerksamkeit dorthin, wo emotional viel auf dem Spiel steht. Was dich beschäftigt, nimmst du eher wahr, das ist ein bekannter psychologischer Mechanismus.
Wenn du möchtest, probiere mal diese Übung aus:
Wohin lenkst du deinen Blick? Genau an diesem Mechanismus kannst du ansetzen. Die Idee dahinter: Du programmierst deine Aufmerksamkeit bewusst um, bevor du das Haus verlässt.
- Wähle dir vor dem Rausgehen bewusst ein anderes Suchbild, zum Beispiel Frauen oder Männer mit Sonnenbrille.
- Sage dir innerlich kurz: „Ich achte heute auf Sonnenbrillen."
- Wenn dir trotzdem ein Babybauch ins Auge fällt, lenke deinen Blick aktiv weiter, zurück zu deinem gewählten Suchbild.
Vielleicht rollst du gerade die Augen und denkst dir, dass das keinesfalls funktionieren wird. Probiere es aus! Ich gebe zu, es ist natürlich einfacher geschrieben als getan, und es wird nicht auf Anhieb perfekt funktionieren. Aber mit etwas Übung merken viele Frauen, dass sich die automatische Suche nach Babybäuchen tatsächlich abschwächt. Zumindest ein bisschen.
Neugierige Fragen und gut gemeinte Ratschläge: Worauf du dich vorbereiten kannst
Der Kinderwunsch bringt unglaublich viele Situationen mit sich, die sich nicht vorhersehen lassen. Ich sage immer: „Kaum eine Lebensphase verlangt einem ein solches Ausmaß an Flexibilität ab, wie der (noch) unerfüllte Kinderwunsch.“ Aber neugierige Fragen und gut gemeinte Ratschläge gehören zu den wenigen Dingen, auf die du dich tatsächlich vorbereiten kannst.
„Na, wann ist es denn bei euch so weit?" oder noch ärger „Entspann dich einfach mal, dann klappt's schon." Solche Sätze – egal ob neugierig, gut gemeint oder einfach nur massiv grenzüberschreitend – können in dieser Phase unglaublich wehtun.
Es hilft, dir vorab ein paar Antworten zurechtzulegen. Nicht als starres Skript, sondern als Sicherheitsnetz für den Moment, in dem du sonst überrumpelt würdest. Manche Frauen bleiben bewusst vage, andere entscheiden sich für eine klare Grenze im Satz. Beides ist richtig, solange es sich für dich und deinen Partner stimmig anfühlt.
Hier habe ich ein interaktive Antworten-Sammlung auf häufige Fragen erstellt, die du dir kostenlos herunterladen kannst.
Grenzen setzen ist erlaubt
Ich kann es nicht oft genug betonen: Selbstfürsorge ist kein Egoismus und schon gar nicht im Kinderwunsch! Du musst nicht ein Lächeln aufsetzen und zu jeder Babyparty gehen, wenn du nicht weißt, wie du die Stunden dort überstehen sollst. Eine Absage ist keine Ablehnung der Freundschaft, sondern ein Zeichen dafür, dass du gut auf dich achtest.
Auch Social Media darfst du bewusst filtern. Wenn Beiträge über Schwangerschaft oder Babys gerade zu viel sind, ist es völlig in Ordnung, sie stummzuschalten oder wegzuklicken.
Wenn sich Freundschaften verändern
Freundschaften während der Kinderwunschzeit können zu einer echten emotionalen Herausforderung werden. Wenn du dir sehnlichst ein Kind wünschst und Monat für Monat Enttäuschungen erlebst, spürst du oft besonders deutlich, wie sehr sich dein Leben von dem anderer unterscheidet. Vielleicht hast du sogar das Gefühl, dein Leben steht "on hold", dann lies gerne meinen Artikel dazu.
Manche Freundschaften werden in dieser Zeit enger. Andere pausieren, wieder andere verlieren sich mit der Zeit vielleicht sogar ganz. Und auch das darf sein. Es ist kein Scheitern, wenn sich Beziehungen im Lauf des Lebens verändern. Wahre Freundschaften müssen nicht perfekt oder zeitlich intensiv sein, um Bestand zu haben. Innere Verbundenheit misst sich nicht an der Häufigkeit der Kontakte, sondern an der ehrlichen Zuneigung zueinander.
Offen über die eigenen Gefühle zu sprechen, kann entlasten. Zumindest mit Menschen, bei denen man sich sicher fühlt. Ein ruhiges, ehrliches Gespräch kann helfen zu erklären, warum man Treffen meidet, seltener antwortet oder sich zurückzieht. Oft ist das für beide Seiten eine Erleichterung. Denn auch die Freundin weiß vielleicht nicht, wie sie sich verhalten soll, ohne zu verletzen.
Hilfreich kann es auch sein, gezielt mehr Kontakt zu kinderlosen Freundinnen zu suchen. Hier kannst du Begegnungen schaffen, in denen das Thema Kinder mal nicht im Vordergrund steht. Auch der Austausch mit anderen Frauen mit Kinderwunsch kann wohltuend sein. Dort braucht es keine langen Erklärungen, weil vieles ähnlich erfahren und verstanden wurde.
Und die Paarbeziehung in dieser Zeit?
Auch die Partnerschaft verändert sich während des Kinderwunschs oft spürbar. Manche Paare wachsen enger zusammen, bei anderen entstehen Reibungspunkte, weil beide unterschiedlich mit der Belastung umgehen. Wie ihr als Paar gut durch diese Zeit kommt, ist ein eigenes großes Thema, dem ich mich ausführlich im Artikel „Paarkonflikte im unerfüllten Kinderwunsch" widme.
Fazit
Freundschaften und dein soziales Umfeld während der Kinderwunschzeit gut zu navigieren, ist ein Balanceakt, bei dem sich Nähe und Kontakt oder Rückzug abwechseln dürfen.
Es wird Tage geben, an denen dir der Umgang mit Babybäuchen und neugierigen Fragen gut gelingt. Und es wird Tage geben, an denen dich ein einziger Satz aus der Bahn wirft. Beides gehört dazu. Wichtig ist, dass du gerade jetzt gut auf dich selber achtest und dir erlaubst dich abzugrenzen, wenn es notwendig ist.
Wenn dir unangenehme Fragen im Kinderwunsch besonders zu schaffen machen: In meiner kostenlosen Antwortsammlung findest du vorformulierte, schlagfertige Antworten für genau diese Momente. Und wenn du dir mehr psychologische Begleitung durch die Wartezeit wünschst, kannst du dich auf die Warteliste für mein Onlineprogramm „Wartezeit ohne wahnsinnig zu werden" eintragen.
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